Leider haben wir uns in den letzten Tagen mit den unangenehmen Teilen einer Gründung herumschlagen müssen.
Allerdings kommen die Querschläger nicht aus den Reihen der Kandidaten für die goldene Himbeere (vulgo: unzuverlässige Lieferanten), sondern (wie leider fast nicht anders zu erwarten) von den Behörden.
Ob ein seriöses Motorrad-Geschäft in Erlensee nicht willkommen ist, erschließt sich mir immer noch nicht. Aber wie man es auch immer dreht und wendet - der Sachverhalt bleibt immer gleich.
Im Vorfeld hatte der Architekt mit dem Bauamt Erlensee eine Vorklärung durchgeführt und grundsätzlich grünes Licht erhalten. Danach wurde der Bauantrag für den Ausstellungsraum unter dem Vordach auf der Kreisverwaltung in Gelnhausen eingereicht - Vermerk "eilig".
Montag, 22.03.10:
Ein Besuch in Gelnhausen ergibt, daß alle Unterlagen komplett sind, nur die Stellungnahme des Bauamts Erlensee fehlt noch. Also habe ich der Dame dort kurzerhand einen schnellen Besuch abgestattet. Die Antwort: "Ihr Vermieter hat am Dienstag um 9.30 Uhr einen Termin bei uns, da wird alles weitere geklärt. Unsere Stellungnahme wird negativ ausfallen, der Bau paßt da nicht hin."
Der Vermieter wußte weder von dem Termin noch sonstwie darüber Bescheid - aber egal.
Kontaktaufnahme zum stellv. Bürgermeister, Erklärung des zeitlichen Problems (Saison etc.) - er will sich der Sache am Dienstag in der Gemeindevorstandssitzung annehmen.
Dienstag, 23.03.10:
Der Termin beim Bauamt Erlensee ergibt, daß der (unbeteiligte) Vater unseres Vermieters der Gemeinde Erlensee für rund 70.000 Euro ein von ihm nicht benötigtes Grundstück abkaufen soll. Tut er das, bekommen wir unsere Baugenehmigung. Tut er das nicht, bekommen wir die Genehmigung nicht.
Hallo?! Nach meinem Verständnis ist das ein klarer Fall von Erpressung.
Mittwoch, 24.03.10:
Keine Rückmeldung von irgendwo.
Kontaktaufnahme mit unserem Anwalt - der Tatbestand der Erpressung liegt nicht vor, aber Nötigung. Er rät zur Kontaktaufnahme mit der Presse. Mehrere Telefonate folgen...
Donnerstag, 25.03.10:
Ein Anruf meinerseits beim Bauamt Erlensee: "Verstehe ich das richtig? Wenn Willi Hestermann 70.000 EUR für ein Grundstück ausgibt, bekommen wir unsere Baugenehmigung - wenn nicht, wird die Stellungnahme negativ sein?"
"Ja. Die Stellungnahme muß spätestens am 02.05. beantwortet werden - und genausolange bleibt die hier auch liegen. Es sei denn, das Grundstück wird vorher gekauft. Ansonsten geht die Stellungnahme am 02.05.10 negativ nach Gelnhausen zurück. Das Gebiet fällt unter § 34 der hessischen Bauordnung - wir lehnen das Bauvorhaben ab, da es nicht dorthin paßt. Wir würden natürlich großzügig darüber hinwegsehen, wenn das andere Gelände gekauft wird."
Rückmeldung seitens einer großen Tageszeitung - und Terminvereinbarung für Montagmittag.
Per telefonischem Hilferuf ans Bauamt in Gelnhausen wird ein Gesprächstermin für Montagmorgen um 9 Uhr mit dem stellv. Leiter der Bauaufsicht vereinbart.
Dann endlich die Rückmeldung des stellv. Bürgermeisters - und ohne Ergebnis: Er kann nichts für uns tun, spricht in Rätseln und wird absolut nicht konkret.
Mit der Aussage des Bauamts Erlensee konfrontiert, kommt ebenfalls keine Stellungnahme.
Freitag, 26.03.10:
Keine Rückmeldung der Gemeinde.
Dafür werden die bestellten 21 Lauf-Meter Außenwerbung angeliefert. Diese dürfen wir sinnigerweise nicht montieren, da die Außenwerbung ebenfalls baugenehmigungspflichtig ist.... naja, und den Status des Bauantrags brauche ich ja nicht zu erklären...
Der Anwalt unseres Vermieters informiert die Gemeinde Erlensee über den Pressetermin - ohne Rückmeldung der Gemeinde.
Montag, 29.03.10:
9 Uhr, Bauaufsicht der Kreisverwaltung. Ein angenehmes und eigentlich sehr produktives Gespräch mit unserem Vermieter, dessen Anwalt, unserem Architekten, meiner Wenigkeit und dem stellv. Leiter der Bauaufsicht. Leider recht ergebnislos, was konkrete Verbesserungen der Situation angeht. Der stellv. Leiter erklärt sich aber bereit, einen Termin mit dem Bürgermeister zu vereinbaren, um Klärung in die Situation zu bringen.
11 Uhr - ein Anruf der Presse "sollen wir kommen, oder gibt es eine Veränderung?" Nein, keine Veränderung, Termin steht. Auch der Anwalt hat noch nichts gehört.
12 Uhr - die Presse ist da. Händeschütteln, Fotos, Gespräche - das übliche vermutlich.
Nachmittags folgt ein Anruf vom Büro der Bauaufsicht, daß ein Termin mit dem Bürgermeister für den 07.04.10 vereinbart ist.
Dienstag, 30.03.10:
Wieder ein Anruf von der Baufsicht - der Termin mit dem Bürgermeister ist wieder abgesagt. Gründe werden nicht bekanntgegeben, einen Ersatztermin gibt es scheinbar ebenfalls nicht. Eine Rückmeldung der Gemeinde steht weiterhin aus.
Tja. Der Plan, unter dem gigantischen Vordach der ehemaligen Tankstelle einen Wintergarten als Showroom zu bauen, ist erstmal auf Eis gelegt.
Ich gehe davon aus, daß die Stellungnahme der Gemeinde am 02.05. negativ nach Gelnhausen zurückgeht und dann die Instanzen durchgespielt werden. Vor Juni/Juli ist hier jedenfalls nicht mit einer Veränderung der Situation zu rechnen.
Das fatale dabei: Ohne Außenwerbung können wir den Laden sowieso komplett vergessen. Auf die entsprechende Schadenersatzklage freut sich unser Anwalt mit Sicherheit schon.
Irgendwie hatte ich mir den Umzug nach Erlensee anders vorgestellt... auf jeden Fall nicht mit einer Schlagzeile in der BILD Frankfurt:
http://www.bild.de/BILD/regional/frankfurt/aktuell/2010/03/31/aerger-in-erlensee/biker-von-behoerde-erpresst.html
Viel Spaß beim Lesen...!